CDU/CSU Niedergang – zwei Begriffe, die noch vor wenigen Jahren kaum jemand miteinander verbunden hätte. Heute sieht die politische Realität anders aus.
Die aktuellen INSA-Zahlen vom 15. August 2026 sind jedenfalls ein deutliches Warnsignal: Die AfD kommt bundesweit auf 28 Prozent, die CDU/CSU nur noch auf 20 Prozent. Damit liegt die AfD in dieser Umfrage acht Prozentpunkte vor der Union und das Stimmenverhältnis der Bundestagswahl vom Februar 2025 hat sich in nur 18 Monaten umgekehrt.
CDU politische Krise und Glaubwürdigkeit
Natürlich sind Wahlumfragen nur Momentaufnahmen, doch klare Trends sind erkennbar. Sie sind keine Wahlergebnisse und schon gar keine Garantie für die Zukunft. Aber sie zeigen eine politische Stimmung. Und diese Stimmung sollte die CDU/CSU sehr ernst nehmen.
Denn der CDU/CSU Niedergang könnte mit einer Entwicklung zusammenhängen, die viel früher begonnen hat: mit dem erfolgreichen Weg der Union an die Macht – und mit dem Preis, den sie dafür politisch bezahlt haben könnte.
CDU/CSU: Der Weg an die Macht
Angela Merkel, von November 2005 bis Dezember 2021 Bundeskanzlerin Deutschlands, war eine Meisterin des politischen Machterhalts. Sie verstand es wie kaum eine andere, gesellschaftliche Trends, politische Stimmungen und wechselnde Mehrheiten aufzunehmen und in die Politik der Union zu integrieren.
Ein Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2014 beschäftigte sich bereits mit dem Einfluss von Meinungsforschung und Demoskopie auf Angela Merkel.
Der SPIEGEL: Unbekannte Umfragen zeigen, wie Demoskopen Angela Merkel beeinflussen
Ob grüne Themenfelder oder Positionen, die traditionell eher bei der SPD zu finden waren: Merkel integrierte vieles in die Politik der Union. Das war politisch erfolgreich. Die CDU gewann Wahlen, Merkel blieb Kanzlerin und die Union dominierte über viele Jahre die deutsche Politik.
Angelika Merkel war auch die Mutter der Brandmauer. Lesen Sie mehr:
https://gedankensplitter.com/leben-politik/wir-sind-die-brandmauer
Doch Macht hat ihren Preis.
Wenn eine Partei immer stärker danach fragt, was bei den Wählern Zustimmung findet, besteht die Gefahr, dass politische Überzeugungen in den Hintergrund treten. Aus einer Partei mit klaren Grundpositionen wird dann eine Partei, die vor allem eines beherrscht: die Anpassung an den politischen Zeitgeist. Genau darin könnte heute ein Teil des Problems liegen.
CDU/CSU Niedergang:
Wenn politische Identität verloren geht
Der CDU/CSU Niedergang lässt sich nicht auf eine einzige politische Entscheidung reduzieren. Vielmehr geht es um einen schleichenden Verlust politischer Identität. Die Union hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Positionen verändert oder aufgegeben, die früher zum klassischen Markenkern der CDU/CSU gehörten.
Das konnte kurzfristig neue Wählergruppen erschließen. Langfristig stellt sich jedoch eine unangenehme Frage:

Wofür steht die CDU eigentlich noch?
Eine Volkspartei muss unterschiedliche Interessen zusammenführen. Sie darf sich aber nicht so weit verändern, dass ihre traditionellen Wähler ihre politische Heimat nicht mehr erkennen.
Migration: Ein politischer Wendepunkt
Ein besonders umstrittenes Kapitel ist die Migrationspolitik der Jahre 2015 und 2016. Die damalige Entscheidung der Bundesregierung, in einer außergewöhnlichen Situation zahlreiche Menschen aufzunehmen, wurde von den einen als humanitäre Notwendigkeit begrüßt und von den anderen als politischer Kontrollverlust kritisiert. Menschen ohne faktische Prüfung ihrer Identität über Jahre hinweg in das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland zu lassen und sie finanziell zu umsorgen löst befremden aus und destabilisiert die innere Sicherheit und Frieden.
Merkels Machtpolitik und Friedrich Merz Wahlversprechen
Bis heute ist die Migrationspolitik eines der wichtigsten politischen Streitthemen Deutschlands. Es geht dabei nicht nur um gesellschaftliche Veränderungen, sondern auch um Geld, um viel Geld, um hunderte von Milliarden Euros.
Für viele konservative Wähler wurde die Flüchtlingspolitik unter Angela Merkel zu einem entscheidenden Grund, sich von der CDU abzuwenden. Ob man diese Entwicklung politisch richtig oder falsch bewertet, eines ist unübersehbar:
Migration ist zu einem zentralen Konfliktfeld zwischen CDU/CSU und AfD geworden und spaltet die Gesellschaft.
Die Union versucht inzwischen, eine deutlich strengere Migrationspolitik zu vertreten. Doch viele Wähler stellen sich die Frage, warum dieser Kurs nicht schon früher eingeschlagen wurde und ob dieses Ansinnen wirklich verfolgt oder nur der Schein gewahrt werden soll.
Atomausstieg Merkel:
Der zweite große Wendepunkt
Ein weiterer politischer Wendepunkt war die deutsche Energiepolitik. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 vollzog Angela Merkel eine Kehrtwende und leitete den beschleunigten Atomausstieg ein.
Für die Stilllegung der Kernkraftwerke wurden später Entschädigungen vereinbart. Insgesamt ging es um rund 2,4 Milliarden Euro für die Energieunternehmen Vattenfall, RWE, E.ON und EnBW. Doch die eigentliche Debatte geht weit darüber hinaus. Die Energiewende wurde zu einem politischen Großprojekt.
Wirtschaftliche Fehlzündungen grüner Politik
Hunderte von Milliarden flossen in erneuerbare Energien, Netze, Speicher und weitere Infrastruktur. Gleichzeitig wurden Kernkraftwerke abgeschaltet und fossile Energieträger zunehmend zurückgedrängt. Die Diskussion darüber ist bis heute nicht beendet.
Denn es geht längst nicht mehr nur um die Frage, ob Kernenergie sinnvoll oder gefährlich ist. Europäische Nachbarstaaten leben sehr gut damit. Es geht um Energiepreise, Versorgungssicherheit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Frage, wie Deutschland seinen steigenden Energiebedarf langfristig decken will.
Milliarden für die Energiewende
Deutschland steht damit vor einem grundsätzlichen Zielkonflikt. Einerseits soll die Energieversorgung klimafreundlicher werden und auf europäischer Ebene gilt auch die Atomkraft als ökologisch nachhaltig. Andererseits benötigt die deutsche Industrie bezahlbare und zuverlässige Energie. Hohe Energiepreise werden für energieintensive Unternehmen zum Wettbewerbsnachteil und für die Bürger zur Last. Die entscheidende Frage lautet deshalb:
War die Geschwindigkeit der deutschen Energiewende und ihre „Alternativlosigkeit“ wirtschaftlich und politisch verantwortbar?
Diese Frage muss unabhängig davon gestellt werden, ob man grundsätzlich für oder gegen erneuerbare Energien ist.
CDU-Wahlversprechen:
Große Ankündigungen, schwierige Umsetzung
Damit sind wir bei Friedrich Merz und der aktuellen Bundesregierung. Im Bundestagswahlkampf 2025 machte die Union zahlreiche Versprechen: eine Wirtschaftswende, weniger Bürokratie, Entlastungen für Bürger und Unternehmen sowie Veränderungen in der Energie- und Migrationspolitik. Auch beim Heizungsgesetz und beim Verbrenner-Aus hatte die Union klare Positionen.
Im Wahlprogramm forderten CDU und CSU unter anderem, das Verbrenner-Verbot rückgängig zu machen. Beim Heizungsgesetz kündigte die Union ebenfalls einen politischen Kurswechsel an; die CDU erklärte im Februar 2026, das bisherige Heizungsgesetz werde abgeschafft.
Doch zwischen CDU-Wahlversprechen und tatsächlich spürbarer und konkreter Veränderung und Umsetzung liegt für viele Bürger ein Unterschied. Genau hier kann der CDU/CSU Niedergang ansetzen.
Denn Wähler beurteilen eine Regierung nicht nur danach, welche Probleme sie vorfindet. Sie beurteilen sie danach, ob sie die angekündigten Veränderungen tatsächlich umsetzt und das zum Wohl des deutschen Volkes.
Friedrich Merz und die Wirtschaftswende
Friedrich Merz versprach im Wahlkampf eine „Wirtschaftswende“. Das beinhaltete weniger Bürokratie, bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, mehr Investitionen und eine spürbare Entlastung. Diese Maßnahmen sollten Deutschland wirtschaftlich wieder nach vorne bringen. Doch die deutsche Wirtschaft kämpft weiterhin mit erheblichen Problemen und die Bevölkerung mit steigenden Kosten.
Hohe Energiepreise, Bürokratie, internationale Konkurrenz, hohe Sozialabgaben und strukturelle Schwächen belasten den Wirtschaftsstandort und die Menschen im Lande. Bereits Anfang 2026 wurde bilanziert, dass die Wirtschaftswende-Versprechen nach einem Jahr nur teilweise umgesetzt seien. Damit stellt sich eine einfache Frage:
Wo bleibt die versprochene Wirtschaftswende?
Eine Regierung kann nicht dauerhaft von einem wirtschaftlichen Neustart sprechen, während Unternehmen weiterhin auf konkrete Verbesserungen warten, Standorte ins Ausland verlagern und zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gehen, für immer.
Keine neuen Schulden für Deutschland?
Besonders deutlich wird der politische Vertrauensverlust beim Thema Staatsverschuldung. Die politische Debatte über die Schuldenbremse und neue Sondervermögen führte 2025 zu einer grundlegenden Änderung der finanziellen Spielräume des Bundes.
Das könnte Sie auch interessieren:
https://gedankensplitter.com/leben-politik/staats-und-leitmedien-unter-feuer
Im Mittelpunkt steht das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Der Bundestag machte dafür im März 2025 den Weg frei. Auch die Verteidigungsfinanzierung wurde über eine Änderung der Schuldenregel deutlich ausgeweitet ebenfalls auf 500 Milliarden Euro.
Schweres Erbe für die Zukunft
Die Dimensionen sind nicht nur enorm, sie sind historisch einzigartig. Und das vor dem Versprechen, keine Neuverschuldungen für Deutschland aufzunehmen. Natürlich braucht Deutschland Investitionen. Straßen, Brücken, Schienen, digitale Infrastruktur und Bundeswehr sind wichtige Zukunftsaufgaben. In welchen Bereichen aber wird gespart? Bei den Schulen, der Entwicklungshilfe, der Migration? Die entscheidende Frage lautet:
Entsteht mit den neuen finanziellen, schuldenfinanzierten Spielräumen tatsächlich etwas Neues – oder werden damit auch bestehende Haushaltsprobleme kaschiert?
Diese Frage ist nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich relevant. Denn zusätzliche Schulden sind noch keine Wirtschaftspolitik. Entscheidend ist, ob daraus Wachstum, Produktivität und langfristiger Wohlstand entstehen. Und viele Bürger und Unternehmen beantworten diese Frage mit einem klaren „Nein“.
Wählerfrust statt Wählerlust
Genau hier entwickelt sich möglicherweise der Wählerfrust bei der CDU/CSU. Friedrich Merz verweist darauf, dass Koalitionen Kompromisse verlangen. Ist der Preis gerechtfertigt?
Es stellt sich die Frage, wie viele Kompromisse eine Partei eingehen kann, bevor ihre eigenen Wähler das Gefühl bekommen, dass von den ursprünglichen Versprechen nicht mehr viel übrig bleibt. Die Wahlumfragen zeigen ein eindeutiges Bild. Die Union muss deshalb aufpassen, dass aus politischem Pragmatismus nicht politische Beliebigkeit wird. Und dieser Eindruck vertieft sich zusehens.
Wähler können zwar Kompromisse akzeptieren. Doch was sie wesentlich schwerer akzeptieren, ist der Eindruck, dass Versprechen nur vor der Wahl gelten.
CDU und AfD:
Warum verliert die Union Wähler?
Der Erfolg der AfD lässt sich nicht ausschließlich mit der Stärke der AfD erklären, sondern mit gebrochenen Versprechen und Erwartungen. So kommt ein großer Teil ihrer Zustimmung aus dem Lager enttäuschter ehemaliger Unionswähler.
Wenn konservative, wirtschaftsliberale oder migrationskritische Wähler das Gefühl haben, dass die CDU ihre politischen Erwartungen nicht mehr erfüllt, entsteht ein politisches Vakuum. Dieses Vakuum kann die AfD füllen trotz oder vielleicht gerade wegen der Brandmauer. Von linkspolitischer Seite ist jede Argumentation gegen Migration bereits ideologisch vermint. Es gehe ja immer um Menschenrechte. Gleiches galt für das Klima. Es gehe ja immer um die Zukunft der ganzen Menschheit. Die CDU/CSU hat dies bereitwillig aufgenommen.
Die Konkurrenz zwischen CDU und AfD ist zu einem zentralen Faktor der deutschen Parteienlandschaft geworden. Da hilft auch keine Brandmauer weiter. Die aktuellen Zahlen machen das besonders deutlich: In der INSA-Sonntagsfrage vom 15. August 2026 liegt die AfD bei 28 Prozent, die CDU/CSU bei 20 Prozent. Die Union muss sich deshalb eine unbequeme Frage stellen:
Warum verliert diese einstige Volkspartei Wähler, die früher selbstverständlich CDU/CSU gewählt haben?
Reform oder Mogelpackung?
Nach mehr als einem Jahr Regierungszeit ist die Geduld vieler Bürger begrenzt. Doch ganz ohne Reformen sei die Bilanz nicht, so die Bundesregierung. Im Juli 2026 verwies sie auf mehr als 40 umgesetzte Maßnahmen und ein Entlastungsvolumen von insgesamt rund zehn Milliarden Euro für Wirtschaft und Bürger. Das ist zunächst eine konkrete Zahl die aber wohl auf Annahmen beruht. Kommen die Entlastungen beim Volk, bei den Bürgern an?
Letztlich entscheidet die Wirkung. Und sie verblasst, wenn an anderer Stelle wieder „zur Kasse“ gebeten wird und die Gegenfinanzierung unsicher ist, wie etwa eine stärkere Belastung sehr hoher Einkommen über die sogenannte Reichensteuer.
Wenn zusätzliche Belastungen an anderer Stelle einen großen Teil der Entlastung wieder aufzehren, entsteht bei den Bürgern schnell der Eindruck einer Mogelpackung und nicht nur sie. Auch Wirtschaftsverbände und Experten teilen diese Meinung.
Rente und Sozialabgaben
Bei den Sozialabgaben bleibt die Belastung ein zentrales Thema. Die Renten stiegen zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent. Gleichzeitig stehen die sozialen Sicherungssysteme unter erheblichem Finanzierungsdruck. Ebenso wirken sich Inflation und hohe Energiepreise aus. Eine minimal höhere Rente allein bedeutet deshalb nicht automatisch mehr finanzielle Freiheit.
Entscheidend ist, was nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und Lebenshaltungskosten tatsächlich im bei den Haushalten verbleibt. Im Gesundheitswesen wächst der Kostendruck ebenfalls. Wenn Krankenhäuser Personal abbauen oder Leistungen einschränken müssen, um steigende Kosten aufzufangen, stellt sich zwangsläufig die Frage:
Wo kommt die versprochene Entlastung tatsächlich beim Bürger an?
Eine Entlastung, die an einer Stelle gewährt und an anderer Stelle wieder aufgezehrt wird, fühlt sich für viele Menschen nicht wie eine Entlastung an, sondern wie eine Mogelpackung.
Reichensteuer:
Mehr Einnahmen oder mehr Symbolik?
Die geplante stärkere Belastung hoher Einkommen ist politisch ebenfalls umstritten. Die Koalition einigte sich im Juli 2026 auf eine Einkommensteuerreform. Für sehr hohe Einkommen soll die sogenannte Reichensteuer angehoben werden; zugleich sollen kleine und mittlere Einkommen entlastet werden. Kein Wort von Geringverdienern.
Die politische Streitfrage lautet: Reichen die zusätzlichen Einnahmen tatsächlich aus, um die versprochenen Entlastungen nachhaltig zu finanzieren? Wer über erhebliche finanzielle Möglichkeiten verfügt, hat zudem häufig mehr Möglichkeiten zur steuerlichen Gestaltung. Notfalls werden Vermögenswerte in Stiftungen oder ins Ausland verlagert.
Deshalb sollte Politik nicht nur auf den nominalen Steuersatz schauen. Entscheidend sind die tatsächlichen Mehreinnahmen – und die wirtschaftlichen Auswirkungen. Es bleibt aber der Eindruck, dass nur entstehende Finanzlöcher gestopft werden sollen Neuverschuldung ohne Einsparungen ist ein Irrweg. Die Einsparungen auf den Rücken der Bürger abzuwälzen ebenfalls.
Krankschreibung ab dem ersten Tag
Auf Unverständnis trifft die geplante Neuregelung bei Krankschreibungen. Die schwarz-rote Koalition plant, dass Beschäftigte künftig grundsätzlich bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung benötigen könnten. Wer ist für so eine realitätsferne Herangehensweise verantwortlich?
Ein Instrument gegen den Missbrauch oder aber zusätzliche Bürokratie und Belastung für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Arztpraxen. Eine Reform muss sich daran messen lassen, ob sie tatsächlich etwas verbessert. Und wer bereits für einen Tag eine ärztliche Bestätigung benötigt, der wird sich sicherheitshalber gleich drei Tage in den Krankenstand versetzen lassen. Die geplante Reform könnte sich anders als gedacht auswirken.
Corona und die Grenzen staatlicher Macht
Bei all diesen Punkten haben wir einen weiteren großen politischen Einschnitt noch gar nicht betrachtet: die Corona-Jahre. Die Pandemie stellte den Staat vor eine außergewöhnliche Herausforderung. Wie suspekt die ganze Dimension war, zeigt allein der Versuch, die Unterschiede zwischen einer Grippe und einer Corona-Infektion auf ganzseitigen Zeitungsinseraten herauszuarbeiten.
Es wurden Maßnahmen beschlossen, die zuvor kaum vorstellbar gewesen wären: Kontaktbeschränkungen, Lockdowns, Veranstaltungsverbote, Zugangsbeschränkungen und zahlreiche weitere Eingriffe bestimmten über lange Zeit das gesellschaftliche Leben. Viele Betroffene bewerten diese staatliche Zensur bis heute als brutal und unangemessen. Allein hinter dem Wort „Lockdown“ verbergen sich extremste staatliche Eingriffe mit tiefgreifenden sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen.
Vorgegeben wurde ein Schutz der Bevölkerung mit dem Verweis auf wissenschaftlichen Erkenntnisse, die nach Ansicht vieler Menschen sehr einseitig ausgelegt waren. Rückblickend muss die Frage erlaubt sein:
Wo lagen die Grenzen staatlicher Macht?
Wie weit darf ein Staat in die Freiheitsrechte seiner Bürger eingreifen? Wie lange dürfen außergewöhnliche Maßnahmen gelten? Wie kritisch darf eine Gesellschaft die Entscheidungen ihrer Regierung hinterfragen? Andere Länder haben es ohne Lockdowns besser gemacht.
Eine Demokratie lebt nicht davon, dass alle dieselbe Meinung haben. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Meinungen ausgehalten werden. Auch gegenüber der Wissenschaft gilt: Wissenschaft ist kein politisches Glaubensbekenntnis. Wissenschaft lebt von Fragen, Überprüfung, Widerspruch und Korrektur.
CDU/CSU Niedergang:
Der eigentliche Grund
Der CDU/CSU Niedergang lässt sich nicht auf eine einzige Entscheidung reduzieren. Er könnte vielmehr das Ergebnis einer Entwicklung sein, die bereits unter Angela Merkel begonnen hat. Die Union hat zahlreiche Positionen verändert oder aufgegeben, die früher zum politischen Markenkern gehörten. Gleichzeitig hat sie versucht, neue Wählergruppen anzusprechen.
Das war lange erfolgreich. Doch eine Partei kann ihre Identität nicht beliebig verändern, ohne irgendwann ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Heute steht die CDU/CSU wird der Partei die Quittung mit einem dramatischen Absturz in der Wählergunst präsentiert. Aber eins bleibt: Die Brandmauer steht, sie sei alternativlos. Und damit schließt sich der Kreis, denn es war kein anderer als Angela Merkel, die diesen zum Unwort des Jahre 2010 prämierten Begriff prägte.
Die CDU/CSU will konservative Wähler zurückgewinnen, muss aber gleichzeitig eine Koalition mit der SPD zusammenhalten. Sie will wirtschaftliche Reformen, muss aber mit den Folgen jahrelanger struktureller Probleme umgehen, von denen sie selbst viele verursacht hat. Sie will eine strengere Migrationspolitik, muss aber europäische und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen und scheut einen Konflikt. Sie möchte verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, während sie alte Wahlversprechen nicht einlöst und gleichzeitig neue Wahlversprechen auf ihre Umsetzung warten.
Die nächste anstehende Wahl wird in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Die AFD darf mit einer Verdoppelung ihrer Wählerstimmen rechnen, während die CDU jeden dritten Wähler verlieren könnte.
Der Weg an die Macht
wird zum Weg in den Niedergang
Damit schließt sich der Kreis. Angela Merkel hat die CDU/CSU über viele Jahre erfolgreich an die Macht geführt und dort gehalten. Ihre Fähigkeit, politische Trends aufzunehmen, machte die Union für unterschiedliche Wählergruppen attraktiv.
Doch genau diese Strategie könnte langfristig zum Problem geworden sein. Denn eine Partei kann ihre Identität nicht beliebig verändern, ohne irgendwann ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Der CDU/CSU Niedergang beginnt dort, wo zwischen politischen Versprechen und tatsächlichem Handeln eine immer größere Lücke entsteht.
Die Union will regieren, muss dafür aber Kompromisse eingehen. Sie will klare Kante zeigen, muss aber Koalitionen zusammenhalten. Sie will eine Wirtschaftswende, muss aber zunächst bestehende Probleme verwalten. Sie will Wähler zurückgewinnen, läuft aber gleichzeitig Gefahr, weitere Wähler zu verlieren.
Und während die Union diesen Spagat versucht, wächst die AfD. Es ist das Festhalten der CDU an einer Brandmauer, die der Wähler so nicht akzeptieren will.
Der Niedergang der CDU/CSU muss nicht zwangsläufig durch die Stärke der AfD verursacht werden. Er kann auch durch die Schwäche der Union entstehen.
Wenn eine Partei ihre eigenen Versprechen nicht mehr glaubwürdig vertreten kann, entsteht ein politisches Vakuum. Dieses Vakuum wird irgendwann gefüllt.
Was ist aus den großen
CDU-Wahlversprechen geworden?
Am Ende bleibt deshalb eine einfache Frage:
Was ist aus den großen CDU-Wahlversprechen geworden?
Wo ist die Wirtschaftswende?
Wo ist die Entlastung der Bürger?
Wo ist der Bürokratieabbau?
Wo ist die konsequente Migrationspolitik?
Wo sind die angekündigten Reformen?
Wo ist die politische Klarheit, die viele Wähler von der Union erwartet haben?
Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Punkt. Politik kann Wähler mit Versprechen gewinnen. Nicht das Gesagte gilt, sondern allein das Tun.
Dauerhaft behalten kann sie sie nur mit Taten.
Wenn die Bürger den Eindruck gewinnen, dass zwischen dem, was vor der Wahl gesagt wurde, und dem, was nach der Wahl getan wird, eine immer größere Lücke entsteht, dann verliert nicht nur eine Regierung an Zustimmung. Dann verliert eine Partei ihre Glaubwürdigkeit.
Und genau deshalb könnte sich der CDU/CSU Niedergang zu einem der entscheidenden politischen Themen der kommenden Jahre entwickeln.
Der Weg an die Macht war erfolgreich. Die entscheidende Frage ist jetzt, ob die Union auch den Weg zurück zu ihren Wählern findet.