Das Leben schreibt die besten Geschichten

Was ist meine Bestimmung?

Lebensgeschichten: Ich lade Sie zu einer Reise in Lebensgeschichten ein. Zeitlose Geschichten, die uns viele Aspekte und Zufälligkeiten nahe bringen, uns reflektieren lassen. Alte Geschichten voller Weisheit, Lebensbilder die unserer Zeit entrückt zu sein scheinen und uns doch so Nahe sind. Über aktuelle Zeitgenossen will ich mir kein Urteil erlauben. Meine Quelle ist das ‘Alte Testament’, zunächst wenigstens. Und wie durch ein Brennglas drängt sich die Frage nach der Bestimmung auf.

Dabei will ich Sie weder mit religiösen Statements noch mit dogmatisch so genannten Wahrheiten konfrontieren. Das ist nicht ihr Charakter. Sie erzählen nur, lassen uns teilhaben. Es sind Geschichten „mitten aus dem Leben“. Wenn Ihnen die Geschichten geläufig sind, umso besser, wenn nicht, so ist es für Sie vielleicht ein erster Zugang dazu. Den Anfang bildet eine kleine Serie über das Leben von Jakob. Was ist meine Bestimmung wird er sich auf seiner Lebensreise häufig gefragt haben.

Lebensgeschichten: Vom Schicksal geschlagen und nie aufgegeben

Jakob war noch gar nicht geboren, da wird sein Schicksal bereits vorgezeichnet. „Er, der Jüngere, wird über den Älteren herrschen“, wird seiner Mutter in einer Version zugetragen, was zeitlebens der beiden Brüder aber nie geschieht. Und als ein Zeichen dafür hält er ganz ungewöhnlich die Verse seines Zwillingsbruders Esau. Jakob, der Fersenhalter zeichnet ihn allein schon seines Namens wegen als jemand aus, der betrügt, mit List seinen Vorteil sucht.

Sein Weg scheint vorgegeben und dennoch erfahren wir wenig über das Leben seiner Jugend. Erst später entfaltet sich seine Lebensgeschichte. Die Erzählung seiner Jugend beschränkt sich auf wenige Ereignisse, die dem jungen Jakob aber die Weichen stellen.

Eigentlich sollte er ein Auserwählter sein, doch er ist ein listiger Betrüger, der in einem langen Leben seinen Weg finden muss, häufig vom Schicksal geschlagen und doch gibt er nicht auf, stellt sich allen Widrigkeiten mutig entgegen. Ein Schicksal das packt, fesselt, Mut macht und zugleich Abgründe menschlichen Handelns aufzeigt, offen und schonungslos. Seine Geschichte moralisiert nicht, sie wird uns in einer packenden Erzählung im Ersten Buch Mose vor Augen gestellt.

Die Vorgeschichte zum Leben von Jakob

Auch heute noch leben Nomaden in großen Familienverbänden. Sie sind Handwerker, Händler, Viehzüchter und Bauern in Person. Sie versorgen sich selbst, sind weitgehend autark und vielfach begabt. Das Leben schreibt die besten Geschichten. Vom Schicksal erwählt oder getrieben? Auf sich gestellt, in Netzwerken eingebunden, von Gott gesegnet? Was machen wir daraus?

Jakob und Esau sind zweieiige Zwillinge und in ihrer Persönlichkeit grundverschieden. Ohne viel über ihr Heranwachsen, ihre Kindheit zu erzählen wird dieser sich daraus ergebende Konflikt dennoch kurz und prägnant verdeutlicht. Esau, ein erfolgreicher Jäger ist der Liebling seines Vaters Isaak und Jakob, eher der Muse und dem häuslichen Umfeld zugetan, der Liebling seiner Mutter.

Ein klassischer Konflikt der sich in einer einzigen Begebenheit unvermittelt entlädt. Ist die Frage, was ist meine Bestimmung, damit schon beantwortet? Jakob luchst seinen Bruder, der hungrig von der Jagd kommt, mit einem Linsengericht das Erstgeburtsrecht ab. Unglaublich, dreist von Jakob und ebenso unglaublich ignorant von Esau. Er scheint auf das ‘Erbe der Väter’ nicht viel zu geben.

Jakob ringt um seine Bestimmung

Esau hatte jetzt Hunger, großen Hunger und war ermattet. Er lebt ganz im Moment, Wort-Spielereien sind nicht seine Welt. „Siehe, ich gehe hin zu sterben, und wozu mir da das Erstgeburtsrecht?“ Ein warmes und kräftigendes Essen erschien für den Moment ungleich erstrebenswerter. Jakob seinerseits lässt nicht locker, lässt seinen Bruder schwören bevor er sein Essen teilte.

Es ist das Vorspiel zu einem noch viel tieferen Fall, der das Leben beider prägen wird und Auftakt zur packenden Geschichte von Jakob ist. Er betrügt nach allen Regeln der Kunst seinen erblindeten alten Vater Isaak auf Rat und mit Hilfe seiner Mutter Rebekka mit der Frage im Herzen: Was ist meine Bestimmung?

Der tiefe Fall von Jakob

Isaak will sein Erbe regeln und erbittet von seinem Liebling Esau, dem festlichen Anlass gemäß, ein besonderes Gericht, einen frisch zubereiteten Wildbraten. Esau macht sich gleich darauf auf die Jagd. Ob Isaak von dem Verkauf des Erstgeburtsrechtes wusste, wird nicht geklärt. Esau bleibt sein bevorzugter Sohn. Seine Frau Rebekka aber erfährt von den Plänen ihres Mannes und sie instruiert Isaak zum perfekten Betrug.

Sie richtet selbst ein Wildbret nach allein Regeln der Kochkunst zu, ganz so, wie es ihr Mann liebt. Jakob bereitet Sie auf die Begegnung mit dem Vater ebenso perfekt vor und Jakob ist ein gelehriger Schüler. Er lügt seinen alten erblindeten Vater gleich mehrfach an, gibt sich als Esau aus, trägt die Kleidung seines Bruders und serviert das geforderte Lieblingsgericht, von seiner Mutter zubereitet. Ja, das Leben schreibt die besten Geschichten.

Selbst auf gezielte Nachfrage seines Vaters Isaaks hält er an dem Betrug fest und erschleicht sich so über das Erstgeburtsrecht hinaus auch den Segen des Älteren mit allen Konsequenzen, er wird zum Stammvater von Israel. Auch hier wird die Geschichte nur erzählt, sie wertet nicht, berichtet aber ausführlich über die zu Herzen gehende Wehklage des Esaus.

Esau treiben Gedanken der Rache um

Der geprellte Bruder wird nur noch von einem Gedanken beherrscht: Mord. Jakob ist zu weit gegangen. Für jeden Krimi eine Steilvorlage was die Dramatik der Situation betrifft, doch es ist der Anfang einer Geschichte, die sich ganz anders entwickelt. Das Schicksal schlägt mehrfach zu und zeichnet die Lebensgeschichte der Brüder Esau und Jakob. Zunächst flüchtet Jakob allein in der Fremde. Ohne Familie, ohne Freunde, ohne Besitztum – wie eine Ausgestoßener zieht er in ein fremdes Land, um dort bei einer entfernten Verwandtschaft, die er persönlich nie kennengelernt hat, Zuflucht zu suchen.

Hier beginnt die eigentliche Geschichte von Jakob, dem Erzväter des Volkes Israel. Das überaus erstaunlich daran: mit ihm solidarisiert sich der Gott des Alten Testaments. Mehrfach heißt es: „Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“. Es sind diese Lebensgeschichten, die am Beginn des ‘Alten Testament’ stehen. Es legt die Grundlage zum ‘Neuen Testament’, zu den Evangelien und dem Christentum.

Für sich gesehen geben diese Geschichten voller Schicksale und Weisheiten viel Stoff ‘aus dem Leben’. Sie reichen hinüber bis zu unserer heutigen Generation, der letzten Generation, wie sich einige junge Menschen ja sehen. Die Geschichten erzählen ohne zu moralisieren. „Das Schicksal schaut zu“ und greift gelegentlich in Form des alttestamentlichen Gottes Jahwe ein.

Jakob wird mit der Lebenslüge konfrontiert

Gerade eben noch genoss Jakob wohl behütet als Sohn einer reichen Nomadenfamilie und Liebling seiner Mutter alle Privilegien eines behüteten Umfelds. Auf einmal steht er ganz am Rand, ja außerhalb eines so sicher geglaubten Lebens. Er flüchtet vor einem Bruder, der wegen seines Betrugs Rache im Sinn hat und ihm nach dem Leben trachtet.

Jakob ein Herrscher seines Bruders? Ganz und gar nicht, im Gegenteil. Er ist der Verfolgte und muss um sein Leben bangen. Jakob der Segensträger und Erbe, der Stammvater von Israel? Ganz und gar nicht. Er ist gerade noch mit dem nackten Leben davon gekommen, ein Betrüger auf der Flucht.

Die Geschichte erzählt nichts über den Gemütszustand und der persönlichen Not von Jakob wegen seines selbst verschuldeten Unheils. Sie führt uns in eine ganz andere Episode hinein. Längst dürfte es ihm klar geworden sein, er hat den sprichwörtlichen Bogen überspannt. Sein Betrug und seine Kühnheit haben sich für ihn nicht ausbezahlt, er ist am Tiefpunkt seines Lebens angelangt, seines bisherigen Lebens. Damit aber nicht genug, er muss eine weitere Lektion lernen und die erhält er in einer nächtlichen Vision, das Schicksal schlägt erneut zu. Gott erscheint ihm.

Er zeigt sich hoch erhoben auf einem Tempelberg und Engel steigen zu ihm auf und nieder. Mit allem hat Jakob wohl gerechnet, doch damit nicht. Eine Unwirklichkeit, der Schrecken überfällt ihn und er empfindet sein Nachtlager als einen Ort voller Schrecken. Es ändert alles für ihn. Plötzlich ist klar, er steht mit seinem Leben, mit seinem Tun vor Gott.

Das war so nicht wirklich eingeplant. Bislang konnte er sich ganz auf seine eigene Schlauheit verlassen, und erschlich sich so den Segen des Ältesten für ein Linsengericht, und damit nahm man es in jenen Tagen sehr genau. Es gab keine weltliche Instanz, keine Gerichte, niemand den man anrufen konnte. Nicht im Falle Jakobs, denn sein Vater Isaak war der Stammesfürst.

Eine Verheißung und Reise ins Ungewisse, in eine neue Freiheit?

Häufig zeigt sich dieser Gott als heilig und unnahbar, und auch in der Version Jakobs wohnt er in einem Tempel hoch im Himmel. Er schleudert aber nicht Blitze und Feuer wegen seiner Untaten, nein, er hat Größeres im Sinn und einen eigenen und langen Weg für Jakob. Bereits vor über 100 Jahren vorgezeichnet durch den Großvater Jakobs, durch Abraham. Sollte Jakob durch seine Taten das alles zunichte machen? Kaum vorstellbar.

Dieser Gott nimmt ihn so wie er ist und schickt ihn auf dem Weg, nicht ohne zuvor jene Verheißung zu wiederholen, die er bereits Abraham gab. Und noch etwas gab er Jakob mit auf dem Weg. Er sicherte ihm zu bei ihm zu sein, ihn zu behüten und wohlbehalten und in Freiheit wieder in das verheißene Land zurückführen. Er betraute Jakob mit einer Mission, ohne dass dieser freilich wusste was ihn erwartet und letztlich auch nicht wohin in die Reise wirklich führen würde.

Harte Lebenszeit mit vielen Herausforderungen

Das Land vor ihm war ihm fremd. Es war ihm aber ein ‘Happy-End’ versprochen und daran konnte er sich in schweren Stunden – und von denen warteten einige auf ihn – Mut zusprechen. Zugleich aber musst er vertrauen lernen, denn eine lange (Lebens-) Reise erwartete ihn und seine augenblickliche Situation war wenig dazu angetan, ihn in eine unbeschwerte Fröhlichkeit zu versetzen. Ganz im Gegenteil. Jakob bekam es mit der Angst zu tun.

Er war nicht nur auf der Flucht vor seinem Bruder und in der Fremde, sondern nun erfuhr er noch eine reale Gottesbegegnung, das konnte er kaum ertragen. Und doch wäre Jakob nicht er selbst gewesen, wenn er den für ihn günstigen Zuspruch nicht für seine Situation zu nutzen gewusst hätte. Trotz aller Angst die ihn befiel, hatte er Mut und Persönlichkeit genug einen Geschäftsabschluss zu formulieren.

Sinngemäß sagte er: Okay, wenn das so ist, dann sollst Du auch mein Gott sein – und jetzt kommt seine Bedingung. Wenn Du mich hier wieder rausholst und ich wieder in meines Vaters Haus zurück kehren kann. Um nichts dem Zufall zu überlassen, setzte er an diesem Ort auch noch einen Gedenkstein und die Reise von Jakob nimmt ihren Anfang, er zieht gegen Osten, in das Land des Morgens.

Begegnung in einem fremden Land

Er hatte ja ein Ziel, nämlich nach Haran zu ziehen, zu seinem Onkel Laban. Eine Reise zu Fuß über einige hundert Kilometer hinweg auf einsamen Pfaden und über Handelswege. Ein zu dieser Zeit, vor über 3500 Jahren, nicht ganz ungefährliches Unternehmen für einen allein reisenden Mann. Endlich, nach einigen Wochen der Unsicherheiten und Strapazen erreicht er die Region der damals sehr belebten Handelsmetropole Haran.

Nun, von seiner Mutter Rebekka wusste er, dass die Familie von Laban Nomaden waren und einige Schafherden besaßen. Damit kannte sich Jakob aus, auch seine Eltern waren Nomaden und viele Schafherden, Ziegen und Kamele gehörten zu ihrem Besitz. So nahm er allen Mut zusammen näherte sich einem Brunnen um den eine Schafherde lagerte.

Er gab sich gegenüber den Hirten als einer von Ihnen zu erkennen, sprach sie als Brüder an. Waren sie aber wirklich friedlich, oder sahen sie in ihm einen Fremden und eine leichte Beute? Ganz sicher konnte Jakob nicht sein, auch wenn er kräftig und großgewachsen war, denn es lagerten drei Herden und ihre Hirten. Jakob aber hatte Glück, ja, sie kannten seinen Onkel Laben und seine Sippe und eine weitere Herde näherte sich dem Brunnen.

Die Lebensgeschichte nimmt ihren Neuanfang

Der Brunnen aber war noch mit einem großen Stein verschlossen. „Siehe, es ist Rahel, die Tochter Labans mit der Herde“, sprachen die Hirten. Grund genug für Jakob, den Stein vom Brunnen zu entfernen und er wandte sich direkt an die Hirten. „Tränkt die Schafe, es noch Zeit für sie, um auf die Weide zu gehen“, forderte er. Das aber sahen die Hirten anders, sie machten es sich bereits gegen Mittag um den Brunnen herum bequem, immer schon.

Für Jakob aber gab es, als er Rahel kommen sah, kein Halten. Ob die Hirten nun wollten oder nicht, er wälzte den großen Stein allein hinweg und tränkte die Schafherde von Rahel der Hirtin , die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter. Dann aber bricht es unvermittelt aus ihm hervor. Jakob küsst Rahel und weinte. Kurz und trocken erwähnt es die Geschichte, mehr nicht.

Welche Last aber muss von Jakob abgefallen sein? Nach wochenlanger Reise ins Ungewisse, der Begegnung mit den Hirten, endlich Hoffnung. Er ist angekommen bei der Familie von Laban.

Wie die Reise weitergeht lesen Sie in der nächsten Folge:
Jakob kämpft mit Gott

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